Blog · 10. Oktober 2026 · von Dominic Hoferer · 6 Min
Barrierefreie Website in Österreich: Was das Barrierefreiheitsgesetz für Unternehmen in Vorarlberg wirklich bedeutet
Seit Juni 2025 gilt in Österreich das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG). Wen es trifft, wen nicht – und warum eine barrierefreie Website auch ohne Pflicht mehr Kunden und besseres SEO bringt. Klartext aus Lustenau.

„Muss i jetzt meine Website umbauen?" Die Frage hör ich seit letztem Sommer immer wieder – meistens mit einem leicht panischen Unterton. Kein Wunder: Rund ums Barrierefreiheitsgesetz kursieren mehr Halbwahrheiten als beim Stammtisch nach dem dritten Mohrenbräu.
Ich bin Dominic von CRƎAITIV studio in Lustenau. Ich bau Websites für Unternehmen in Vorarlberg und am Bodensee, und ich sortier dir hier, was das Gesetz wirklich verlangt, wen es betrifft – und warum sich eine barrierefreie Website auch dann lohnt, wenn du rechtlich gar nicht musst.
Vorweg, damit's klar ist: Das ist keine Rechtsberatung. Wenn du's für deinen Fall genau wissen willst, frag deine Wirtschaftskammer oder einen Anwalt. Was ich dir geben kann, ist der Blick aus der Praxis.
Was ist das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG)?
Das BaFG ist die österreichische Umsetzung des European Accessibility Act (EAA). Es gilt seit dem 28. Juni 2025 und verlangt, dass bestimmte Produkte und Dienstleistungen auch für Menschen mit Behinderungen nutzbar sind – digital wie analog.
Für Websites heißt das vor allem: Wer Verbraucher:innen online etwas verkauft oder Dienstleistungen anbietet, die direkt übers Netz abgeschlossen werden, muss das so gestalten, dass es auch mit Screenreader, nur mit Tastatur oder mit eingeschränktem Sehen funktioniert. Typische Beispiele sind Online-Shops, Buchungsstrecken, Ticketverkauf oder Bank- und Vertragsabschlüsse im Web.
Wen trifft die Pflicht – und wen nicht?
Hier kommt die gute Nachricht für viele Betriebe im Ländle: Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen, sind ausgenommen. Gemeint sind Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme.
Und nicht jede Website fällt automatisch drunter. Eine klassische Visitenkarten-Seite – wer wir sind, was wir machen, wie man uns erreicht – ist etwas anderes als ein Shop, über den Leute direkt einkaufen und zahlen.
Grob sortiert:
- Eher betroffen: Online-Shops, Buchungs- und Reservierungssysteme mit Abschluss, Kundenportale, E-Ticketing – sobald das Unternehmen über der Kleinstunternehmen-Grenze liegt.
- Eher nicht betroffen: Reine Infoseiten ohne Online-Abschluss und Dienstleister unter 10 Leuten und 2 Mio. Umsatz.
- Grauzone: Alles dazwischen. Da lohnt es sich, genau hinzuschauen statt zu raten.
Wichtig dabei: Auch wenn das BaFG dich nicht erfasst, gibt's in Österreich weiterhin das Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG). „Betrifft mich nicht" ist also selten die ganze Wahrheit.
Barrierefreiheit ist kein Paragraf, den man abhakt. Es ist die Frage, ob dich jeder versteht.
Was „barrierefrei" bei einer Website konkret heißt
Der technische Maßstab, an dem sich alle orientieren, heißt WCAG – die Web Content Accessibility Guidelines. Die Stufe AA gilt als der praxisübliche Standard. Klingt trocken, ist aber im Kern ziemlich bodenständig:
- Kontrast: Text muss sich klar vom Hintergrund abheben. Hellgraue Schrift auf weißem Grund schaut im Moodboard schick aus – lesen kann sie trotzdem keiner, schon gar nicht am Handy in der Sonne am Alten Rhein.
- Tastatur: Jede Funktion muss ohne Maus erreichbar sein, mit sichtbarem Fokus. Wer mit Tab durch deine Seite springt, muss wissen, wo er gerade ist.
- Alt-Texte: Bilder brauchen eine Beschreibung, damit Screenreader sie vorlesen können.
- Saubere Überschriften: Eine echte H1, darunter H2 und H3 in logischer Reihenfolge – nicht einfach „groß und fett, weil's gut ausschaut".
- Formulare: Jedes Feld hat ein Label, Fehlermeldungen sagen, was falsch ist und wie man's richtig macht.
- Bewegung: Animationen respektieren die Systemeinstellung „Bewegung reduzieren". Ich mag Animationen sehr – aber nicht auf Kosten von Leuten, denen davon schwindlig wird.
- Nicht nur Farbe: Rot heißt Fehler? Gut, aber dann bitte zusätzlich ein Text oder Symbol. Rund jeder zwölfte Mann hat eine Rot-Grün-Schwäche.
Nichts davon ist Raketentechnik. Es ist einfach sauberes Handwerk.
Warum sich Barrierefreiheit auch ohne Pflicht auszahlt
Jetzt der Teil, der mir eigentlich am wichtigsten ist: Selbst wenn dich das Gesetz nicht betrifft, ist eine zugängliche Website schlicht die bessere Website.
Mehr Menschen erreichen. Barrierefreiheit hilft nicht nur Menschen mit Behinderung. Sie hilft der Oma, die am Tablet die Schrift größer stellt. Dem Handwerker, der mit dreckigen Fingern am Handy tippt. Und dir selber, wenn du mit Sonnenbrille am Bodensee schnell eine Telefonnummer suchst.
Besseres SEO. Google liest deine Seite ähnlich wie ein Screenreader: Überschriften-Struktur, Alt-Texte, sprechende Links, sauberer Code. Was für Barrierefreiheit gut ist, ist fast immer auch gut für dein Ranking – und für KI-Suchen wie ChatGPT oder Perplexity, die deine Inhalte verstehen müssen, bevor sie dich empfehlen. Mehr dazu hab ich in GEO statt nur SEO aufgeschrieben.
Mehr Anfragen. Ein Kontaktformular, das jeder ausfüllen kann, bringt schlicht mehr Kontakte. Jede Hürde im Formular ist ein Kunde, der aufgibt und zur Konkurrenz im Nachbardorf geht.
Qualität, die man spürt. Eine Seite mit gutem Kontrast, klarer Struktur und ruhiger Führung wirkt hochwertiger. Barrierefreiheit und gutes Design sind keine Gegenspieler – sie sind dasselbe Ziel aus zwei Richtungen.
Barrierefreiheit prüfen: So startest du in fünf Minuten
Du willst wissen, wo deine Seite steht? Ein paar schnelle Tests, die jeder machen kann:
- Tab-Test: Leg die Maus weg und navigier nur mit der Tab-Taste durch deine Startseite. Siehst du immer, wo du bist? Kommst du zum Kontaktformular?
- Zoom-Test: Zoom im Browser auf 200 %. Bricht das Layout, überlappen Texte?
- Lighthouse: In Chrome Rechtsklick → Untersuchen → Lighthouse → „Barrierefreiheit". Das ersetzt keine echte Prüfung, zeigt dir aber die gröbsten Baustellen.
- Kontrast: Hellgrau auf Weiß? Dann ist das wahrscheinlich dein erster Kandidat.
Diese Seite hier kommt bei Google PageSpeed übrigens auf 96 Punkte bei der Barrierefreiheit – nicht weil ich ein Musterschüler bin, sondern weil ich's von Anfang an mitdenke. Nachträglich flicken ist immer teurer als gleich richtig bauen.
Wie ich barrierefreie Websites in Vorarlberg baue
Bei mir ist Zugänglichkeit kein Extra-Paket, das man dazubuchen muss. Sie steckt im Konzept, im Design und im Code – von der ersten Skizze an. Kontraste werden beim Gestalten geprüft, nicht erst beim Launch. Animationen haben eine ruhige Variante. Formulare werden mit Tastatur getestet.
Das Ergebnis ist eine Website, die schnell lädt, gefunden wird und von jedem bedient werden kann. Wie so ein Projekt abläuft, steht unter Website erstellen lassen in Vorarlberg. Und wenn's vor allem ums Gefundenwerden geht: SEO in Vorarlberg.
Häufige Fragen zur barrierefreien Website
Muss meine Website seit 2025 barrierefrei sein? Kommt drauf an. Das BaFG betrifft vor allem Unternehmen, die online an Verbraucher:innen verkaufen oder Dienstleistungen abschließen, und nimmt Kleinstunternehmen (unter 10 Beschäftigte, max. 2 Mio. Euro Umsatz) bei Dienstleistungen aus. Für den Einzelfall lohnt sich eine rechtliche Abklärung.
Was ist WCAG 2.1 AA? Ein international anerkannter Standard mit überprüfbaren Kriterien für zugängliche Webinhalte – Kontraste, Tastaturbedienung, Alt-Texte, Struktur und mehr. Stufe AA ist das übliche Ziel.
Reicht ein Barrierefreiheits-Plugin oder Overlay? Meistens nicht. Ein Overlay legt eine Schicht über eine Seite, deren Fundament nicht stimmt. Echte Barrierefreiheit entsteht im Design und im Code darunter.
Hilft Barrierefreiheit bei Google? Indirekt sehr. Saubere Struktur, Alt-Texte und verständliche Links helfen Suchmaschinen und KI-Systemen genauso wie Menschen mit Screenreader.
Am End ist's ganz einfach: Eine Website, die jeder bedienen kann, verkauft besser, wird besser gefunden und schaut hochwertiger aus. Wenn du wissen willst, wo deine Seite steht – oder gleich eine willst, die das von Anfang an kann: Lass uns reden.